Netanjahu und sein Bühnenstück

„Der Iran hat gelogen“, schlussfolgert Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, als er auf einer Pressekonferenz die Ergebnisse einer Geheimdienstoperation präsentiert. Tausende Dokumente und Daten geben Einblick in das Atomprogramm des Iran und widerlegen damit die Behauptung der iranischen Regierung, es habe nie ein Atomwaffenprogramm gegeben. Der Atomdeal ist damit jedoch nicht hinfällig, weil Netanjahu Beweise gegen dessen Verstoss schuldig bleibt. Das gesammelte belastende Material über Pläne von Nuklearwaffen und entsprechenden Einrichtungen für deren Herstellung bezieht sich auf die Zeit vor dem Abkommen.

Neue Sanktionen sollten nur dann erhoben werden, wenn neue Beweise vorliegen, Beweise für eine Verletzung des Atomvertrags. Vielleicht ergibt sich diesbezüglich noch eine veränderte, besorgniserregende Situation basierend auf den Informationen, die der israelische Premier der Öffentlichkeit nicht zugänglich machte. Denn laut seiner Aussage präsentierte er nur einen Bruchteil der originalen Dokumente.

Aber warum wählte Netanjahu die weltöffentliche Bühne für den Vortrag der Ergebnisse des Mossad und wandte sich nicht zunächst an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO), das Organ, das den Iran überwacht?

Netanjahus Auftritt war sicher eindrucksvoll, möglicherweise sogar von einem gewissen dramaturgischen Wert, bedenkt man, dass er die Pressekonferenz mehrheitlich in Englisch abgehalten hatte – ein Signal an die USA bzw. die EU, den Atomvertrag aufzukündigen?

Man sollte sich an dieser Stelle jedoch der Sensibilität der Weltsicherheit bewusst werden, die einen ernsthaften, bedachten Umgang verdient und keine dramaturgische Inszenierung auf einer Bühne, wie es diese Pressekonferenz war.

 

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