Der Wanderer (Teil 2, Ende)

Was für ein trauriges Bild. Daniel war in einem Krankenzimmer. Der Junge, der gerade noch mit Lyla im Sandkasten gespielt hatte, lag nun in einem Bett nahezu leblos. Lediglich der mechanische Atem und das stetige leise Wimmern von Lyla zeugten noch von Leben.

Er hatte gehofft, Befriedigung zu verspüren. Sie war nicht wirklich anders. Ihr war es bloss besser gelungen, ihre persönliche Tragödie vor ihm zu verbergen. Sie war ebenso verlogen wie die anderen. Doch das Gefühl, im Recht zu sein, verschaffte ihm keine Befriedigung. Ihn erfasste ein zu vertrauter Schmerz, von dem er bis zu diesem Augenblick glaubte, Lyla wäre fähig, ihn zu lindern.

Er blieb nicht lange allein. Ein paar Atemzüge später stand Angus schon wieder neben ihm. Er sparte sich die sarkastische Frage nach Daniels Befinden.

Enttäuschung und Verzweiflung sind jedes verdammte Mal schwer zu verarbeiten, wenn man in die Bilderwelt fremder Menschen eintaucht oder meist hineingesaugt wird. Man findet sich unversehens in einem Bild wieder und steigt nach einer Weile wieder heraus. Es ist entscheidend, den Spalt im „Bilderrahmen“ zu finden, um eine Erinnerung verlassen zu können. Mit der Zeit entwickelt man dafür ein Gespür.

Die Erschöpfung von der mühevollen Suche nach dem Ausgang weicht einem bizarren Interesse, sich eingehender mit der Lebensgeschichte eines Menschen zu befassen.

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