Der nackte Demokrat

Ich wünsche mir, dass nie wieder eine solche Kundgebung stattfindet, bei der ihre Teilnehmer eine Kippa tragen, als Zeichen der Solidarität gegenüber Juden.

Nein, hier schreibt kein Antisemit, sondern ein trauriger, nackter Demokrat, der bedauert, dass Antisemitismus immer noch präsent ist in der Demokratie. Dass überhaupt noch die Notwendigkeit besteht für Mitmenschen Partei zu ergreifen, ist eine Niederlage im demokratischen Zusammenleben. Natürlich vermittelt Solidarität ein wohliges Gefühl, aber es betont in dem Augenblick, in dem sie gezeigt wird, dass die Menschen, die sie erfahren, derzeit nicht Teil des selbstverständlichen Zusammenlebens sind.

Aber wie lässt sich die Situation dauerhaft zum Positiven verändern? Wie kann man die Wurzeln des Hasses freilegen, sie gefühlvoll entfernen und Samen der Vernunft einsetzen? Bei Kindern kann dieses Unternehmen schulisch angepackt werden, nur wie verhält es sich mit Erwachsenen, bei denen der Hass womöglich schon ein wuchtiger Ast ihrer Charakterverästelung ist?

Brennende israelische Fahnen, ein kippatragender Junge, der mit einem Gürtel angegriffen wird – diese Geschehnisse bzw. diese Angriffe zeigen, wie schwer es ist, einander nackt zu sehen, einander nicht in Vorurteile zu kleiden.

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