Das Mädchen in dem Blumenkleid (Fragment 2)

Schwarze Chucks, zerrissene, blaue Jeans und ein schlichtes, leichtes Oberteil auf dem in schrägen, schwarzen Buchstaben Fick dich Tod stand. Ein buntes, am Haaransatz zusammengeknotetes Tuch, schmückte ihren Kopf. Graue PVC-Böden, weisse Wände, sie passte nicht in die Trostlosigkeit der Gänge, in diese Einrichtung, wo einzig und allein des Todes Gnade über den Mietvertrag der einzelnen Bewohner befand.

Elise klopfte Tag für Tag an jede einzelne Tür und verbrachte Zeit mit Ihnen. Und nicht selten war ein Zimmer plötzlich leer. Dann schloss sie die Tür hinter sich in dem Wissen, dass der einstige Bewohner nicht zurückkehren würde. Das war nie sonderlich schwer, weil sich schon beim nächsten Rundgang wieder ein Neuzugang eingefunden haben könnte und die vorhandene Lücke schloss. Mehr war da nicht, keine emotionale Bindung, keine Tafel mit Erinnerungsfotos. Es gab nichts, womit die Toten in Erinnerung geblieben wären. Keiner hatte jemals den Versuch unternommen, diesen Ort des Sterbens zu prägen. Wobei natürlich infrage gestellt werden darf, wie es um die Haltbarkeit von Erinnerungen bestellt ist, in einer Umgebung der Vergänglichkeit.

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